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Ich bewundere dich- Danke an eine Flüchtlingmama.

Es ist November. Seit 4 Monaten nun schon besucht meine große, kleine Lola den Vorschulkindergarten.

Die Klasse ist zu einem harmonischen Grüppchen zusammen gewachsen und wo Anfangs noch Skepsis, Unbehagen und Unzugehörigkeit herrschte, sind nun echte und ehrliche Freundschaften entstanden, jeder hat seine Rolle eingenommen und ich bin heilfroh, dass mein Kind angekommen ist.

Jede Mutter kann es sicher nachempfinden, wie man sich fühlen mag, wenn man sein Kind hören sagt: „Ich mag nicht in die Schule. Die Kinder sind so anders.“ Davon allerdings, ist mittlerweile keine Spur mehr.

Heute war ein aufregender Tag. 12 kleine Kinderlein füllten dieses Haus mit Lachen, Schreien und Toben. Ein jedes Kind ist anders. 5 Kinder wachsen zweisprachig auf. Eines beherrschte die deutsche Sprache bis vor 4 Monaten noch gar nicht, mittlerweile klappt es wunderbar. 12 Kinder, welche unterschiedlicher nicht sein können und doch schienen alle glücklich und zufrieden miteinander. Ohne jegliche Vorurteile und Befangenheit. Kinder.

Anlass des heutigen Besuches bei uns, war ein von uns Eltern organisierter Bastelnachmittag bei Keksen und Kakao. Es soll dieses Jahr ein besonderes Weihnachtsgeschenk für die Lehrerin sein. Etwas Persönliches und Selbstgemachtes von den Kindern. Etwas, dass von Herzen kommt.

Es war wundervoll anzusehen, wie Kinder, welche aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten und  verschiedenen Ländern und Kulturen miteinander umgehen. Daran sollten wir Eltern uns so manche dicke Scheibe abschneiden.

Du sprichst nie, du lächelst mir immer nur zu und ich- ich lächle zurück.

Ich muss ständig an den ersten Tag denken, als der kleine Mohamad mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester ganz am Rande des Klassenraumes stand, eingeschüchtert, zurückhaltend und völlig teilnahmslos. Der kleine Junge zuppelte an der Jacke seiner Mutter und fühlte sich ebenfalls merkbar unwohl. Einige Eltern tuschelten und schauten in die Richtung der kleinen Familie. Mohamad hatte als einziges Kind keine Schultüte. Auch den Kinder fiel dieses auf und schauten verwundert zu ihm rüber.

Ich schenkte dem kleinen Jungen ein Lächeln, weil es mir einfach unfassbar leid tat diese Situation so mit anzusehen. Ich wollte ihn in den Arm nehmen, ihm sagen, dass er keine Angst haben muss, dass alles gut wird und er hier sicher ist. Aber er erwiederte mein Lächeln nicht, stattdessen rutsche er noch ein Stück näher an seine Mutter und schaute schnell in eine andere Richtung. Seine Mutter aber lächelte zurück, sichtbar glücklich und erleichtert. Ich wusste ganz genau, was sie in diesem Moment fühlte.

Liebe Mutter von Mohamad. Ich sehe dich jeden Tag, bei jeder Wetterlage, immer um die selbe Uhrzeit. In der einen Hand den Kinderwagen, in der anderen Hand deinen Jungen. Es ist noch dunkel und doch bringst du deine Kinder, in einem für dich fremden Land, zur Schule und in den Kindergarten. Du sprichst nie, du lächelst mir immer nur zu und ich lächle zurück. Ich weiß, wie du dich fühlst und ich möchte dir so gern sagen, dass du hier sicher bist, dass deine Kinder gut aufgehoben sind in diesem Land, dass es gute Menschen gibt, die gut zu deinen Kindern sind, dass du und vor Allem deine Kinder eine zuversichtliche Zukunft haben.

Ich weiß, wie es ist fremd in einem Land zu sein und ich wünsche dir genau so viel Respekt, Akzeptanz und Anerkennung, die auch wir uns in anderen Ländern wünschen! Meine Tochter erzählt viel von deinem Sohn. Sie erzählt mir regelmäßig, wie gut er schon Deutsch sprechen kann und wie schön er singt.

Neulich beim Laternenumzug hat er die begehrte Rolle des St. Martins bekommen und er hat den lautesten Beifall für seinen Text erhalten. Du warst nicht da liebe Mutter von Mohamad. Sicher hattest du zu Hause viel zu tun, aber du wärest sehr stolz auf ihn gewesen. Ich habe ihn beobachtet wie er seine Portion Pommes und seinen Kakao mit anderen Kindern geteilt hat. Sicher wärest du auch da furchtbar stolz gewesen, hättest du ihn dabei beobachtet. Dein Sohn hat die Laterne meiner Tochter getragen, als diese keine Kraft mehr im Arm hatte. Es war für ihn selbstverständlich und er drehte sich nicht zu allen Seiten um, um zu sehen, wer ihn dabei beobachtet hatte. Er tat es von Herzen. 

 

Ich habe dich auch heute beobachtet kleiner Mohamad. Du hast deinen Platz in der Klasse gefunden. Jedes Kind respektiert und bewundert dich ausnahmslos für deine Aufrichtigkeit, deine Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Auch ich bewundere dich. Und ich bin sehr froh, dass du hier bist. Willkommen kleiner Junge. Ich wünsche dir eine wunderbare Kindheit, frei von Vorurteilen und mit einer großen Portion Liebe und Heimatgefühl in unserem Land.

Eine Mama

 

 

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11 Kommentare zu „Ich bewundere dich- Danke an eine Flüchtlingmama.

  1. Wie schön das geschrieben ist! Ich weiß nicht wie es ist irgendwo fremd zu sein, aber ich habe mich vor einigen Monaten um zwei Mamas und ihren Kleinkindern aus Eritrea gekümmert und weiß, das lächeln ganz viel bewirken kann. Wenn alle so denken würden.

    Liebe grüße
    Jule

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    1. Bewundernswert ist es, dass es Menschen gibt, die es als ganz selbstverständlich sehen. Toll von dir! Erzähle mehr davon..:-)
      Ich würde auch gern so vieles tun und noch viel mehr helfen, muss mich allerdings immer selbst bremsen und mir eingestehen, dass man nicht die ganze Welt retten kann..es sind dennoch die kleinen Dingen, die auch meist viel bewirken..fühl dich lieb gedrückt Jule:-)

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  2. Man mausi… Ich lese das hier Grade wieder und heule wie ein Schloßhund.

    Ich liebe deine Beiträge

    Ich hab dich lieb

    Deine Sonnenkäferin

    2Herzen1Seele

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