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Die rote Brille, die keine rote Brille ist.

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Kinder treffen eigene Entscheidungen

Kinder sind ab Geburt an eigene Persönlichkeiten. Um Ihre Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln, brauchen sie uns eigentlich gar nicht. Wir sind da. Behüten Sie, beschützen Sie, halten in schwierigen Situationen Ihre Hand, trösten Sie in schweren Zeiten, geben Ihnen Ratschläge und Denkanstöße, wie man es in bestimmten Lebenslagen besser machen kann, hören Ihnen zu, versuchen Ihnen das Bestmögliche für Ihren Lebensweg mit zu geben, aber entscheiden müssen Sie ganz alleine.

Ausprobieren. Muss sein!

Und das dürfen Sie, denn Sie sind kleine Menschlein, mit eigenen Träumen und Bedürfnissen. Meiner Meinung nach sollten Sie diese Träume immer vor Augen haben und sich Tag für Tag neu ausprobieren, um Ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln. Aus uns ist auch etwas geworden. Natürlich waren unsere Eltern immer daran interessiert, wie wir uns entwickeln, haben uns Dinge gelehrt, erklärt und versucht uns in die richtige Richtung zu navigieren, aber entschieden haben wir am Ende.

„Ich bin aber verliebt Papa!“

Sei es mit 5 Jahren, wenn wir im Laden standen und unbedingt dieses eine Radiergummi haben wollten, aber noch nicht wussten was auf uns zu kommt, wenn wir ihn jetzt einfach heimlich in der Tasche verschwinden lassen. Ausprobieren. Muss sein! Sonst werden wir doch nie lernen, was richtig oder falsch ist. Oder mit 12. Das erste Mal rauchen. „Hab’s versucht Mama- war eklig.“ Die Eltern können nicht alles kontrollieren und sollen sie auch nicht. Denn wir sind alle Kinder mit eigenen Gedanken und wollen diese dementsprechend realisieren. Mit 17. Der erste Freund. Papa sagt: „Er ist nicht gut genug für dich. Du hast was besseres verdient!“ Aber unsere Kinder sind da manchmal einfach anderer Meinung – „Nein, er ist der Richtige, denn ich bin verliebt Papa!“.

Keine Regeln? Aber Hallo!

Dann sollten wir sie Ihre Erfahrungen machen lassen, sollten Sie lieben lassen. Sie sollten lernen, wie es ist verletzt zu werden, den ersten Kuss spüren und nie vergessen lassen. Nur so werden unsere Kinder glücklich werden. Wenn Sie aus Ihren Fehlern lernen und durch Ihre positiven Entscheidungen, die sie treffen und Erfahrungen, welche Sie über die Jahre sammeln, eine wunderbare Zukunft aufbauen, mit uns an Ihrer Seite.
Wenn man den Text so liest, gibt es sicher den Anschein, als würden hier bei uns keinerlei Regeln existieren und das hier der totale „Laissez-faire“ Führungsstil herrscht. So ist es nicht. Es gibt Regeln. Jede Menge sogar. Was aber nicht heißen soll, dass mein Kind sich nicht ausprobieren darf und versuchen soll seine Erfahrungen überwiegend selber zu sammeln. Wir sind immer da, um es vor Schlimmerem zu bewahren; wenn wir die Gefahr frühzeitig erkennen. Mehr nicht. Es sind unsere Kinder. Unsere Lebensaufgabe ist es, Sie auf den bestmöglichen Weg zu bringen, aber sie werden niemals unser Eigentum sein über welches wir verfügen.
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Und nun zu meiner Geschichte

Meine Große durfte sich vor knapp zwei Wochen eine neue Brille aussuchen. Bei einem Augenarzttermin stellte man nämlich eine leichte Weitsichtigkeit fest. Und was mein Mutterherz sofort höher schlagen ließ, war, dass sie sich so sehr freute und es überhaupt nicht schlimm fand, wenn Sie daran dachte, in Zukunft mit einer Brille auf dem Näschen durch die Welt zu gehen. Ich war so erleichtert, denn ich konnte mich an eine Phase bei mir erinnern, an der ich es verabscheute eine Brille tragen zu müssen.

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So waren wir also beim Optiker und standen vor diesem Regal mit einer unwahrscheinlich riesigen Auswahl an verschiedenartigen Brillen. Rund, eckig, bunt, einfarbig, es war für jedes Minimenschlein etwas dabei. Ich stellte mich also auf einen längeren Aufenthalt ein und setzte mich gemütlich in einen Sessel.
 „Schau erst einmal, was dir so gefällt und dann legen wir die, die in die engere Auswahl kommen hier auf den Tisch.“
SIE durfte sich diese Brille aussuchen. Denn sie sollte sich wohlfühlen mit dieser Brille, sollte zu dem stehen, was Sie trug. Das war mir unheimlich wichtig und ich nahm mir fest vor, mich nicht in Ihre Entscheidung einzumischen- auch wenn ich mir sicher war, dass sich ihr Geschmack sicherlich erheblich von meinem unterscheiden würde.
Ich saß noch nicht einmal 10 Sekunden in dem Sessel, da hatte Sie dieses Modell in der Hand, grinsend bis über beide Ohren. Ein Strahlendes Lächeln, wie ich es von niemand Anderen kenne. Die Augen weit aufgerissen wie zwei riesige, überdimensionale Scheinwerfer.
 Sie hielt mir eine knallrote Kunststoffbrille vor die Nase und sagte schon fast brüllend: „ Die rote hier, die würde ich gerne haben. Die passt zu mir!“
„Ohhhhh ja mein Schatz, das tut sie!“, gab ich zurück. Und damit war es entschieden.
Was konnten wir uns alles anhören, was diese Brille betraf. „So kannst du doch dein Kind nicht rumlaufen lassen!“, oder „ Das sieht komisch aus!“
Sogar der Mädchenpapa war sichtlich fassungslos bei dem ersten Anblick. Natürlich war es auch für mich ungewohnt, aber ich fand diese kleine Lola einfach wunderschön. Weil sie sie selbst war. Es war ihr Wunsch- und das machte sie so vollkommen.
Unbeeinflusst hat dieses kleine 5- jährige Mädchen eine Entscheidung getroffen und es sagte mir einfach so viel mehr über sie aus. Denn diese Brille, die jetzt auf Ihrem kleinen Stupsnäschen sitzt, ist nicht einfach nur eine rote Brille. Es ist eine rote Brille die für so viele Dinge steht:

Lebensmut, Neugierde, Wagnis, Fröhlichkeit, Übermut, Aktivität, Gefahr, Temperament, Wärme, Energie, Leidenschaft, Emotionen und Willensstärke.

Alles das ist mein Kind und dazu steht es zu 100% Prozent und möchte diese eigene Entscheidung, die es getroffen hat mit der ganzen Welt teilen. Und es ist glücklich. 
Stadtkindgrüße
Tina

 

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